Regenerative Zukunft

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Uranverbrauch und Handel (global)

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Im Jahr 2008 wurden 15 % (2,6 Terrawattstunden) des globalen Strombedarfs und knapp 6% des Primärenergiebedarfs durch Nutzung der Kernenergie in Atom-/Kernkraftwerken erzeugt. Dieser Anteil ist somit leicht geringer als die Stromerzeugung aus Wasserkraftwerken [1]. Die weltweit installierte elektrische Netto-Gesamtleistung aus Kernkraftwerken beläuft sich auf 370 Gigawatt elektrisch (GWel), in der EU-27 auf 131,5 GWel und in Deutschland auf 20,5 GWel [2]. Dafür wurden im Jahr 2007 etwa 69.000 t Uran benötigt [3].
Der Uranverbrauch wird regelmäßig von staatlichen und internationalen Organisationen, wie der NEA (Nuclear Energy Agency) oder der IAEA (International Atomic Energy Agency) bewertet. Der Bedarf an Natururan stieg zwischen 1995 und 2007 von 61.000 t pro Jahr auf 69.000 t um ca. 13 % an [3]. Die wichtigsten Uranverbraucherländer sind in Abbildung 1 dargestellt. Demnach verbrauchen schon allein die USA, Frankreich und Japan zusammen 57 % des Urans, gefolgt von Deutschland, Russland und Südkorea.
Der zukünftige Verbrauch an Uran hängt von der Entwicklung und der Umsetzung der nationalen Kernenergieprogramme ab. Es gibt einige Szenarien die versuchen diesen Uranbedarf zu bestimmen, jedoch waren die Vorhersagen in Vergangenheit nur selten zutreffend. Vor allem nach den Reaktorunglücken von Fukushima überdenken viele Länder ihre Atomprogramme. Daher wird an dieser Stelle auf eine Vorstellung der Vorhersagen verzichtet und auf die NEA und IAEA verwiesen. Alle Szenarien sagen jedoch unverändert einen Anstieg des Uranverbrauchs voraus, sollte es bei den geplanten, massiven Zubauten v.a. in China und Indien kommen.

Der weltweite Uranhandel ist sehr stark ausgeprägt. Bis zum Einsatz im Reaktor durchläuft das aus der Natur abgebaute Uran mehrere Verarbeitungsstufen. Das in Fässern verpackte Urankonzentrat (Yellow Cake) wird an Konversionsanlagen geliefert und dort zu dem gasförmigem Uranhexafluorid (UF6) umgewandelt, bevor es in Anreicherungsanlagen auf die gewünschte 235U-Zusammensetzung angereichert wird. Von dort wird das angereicherte Uran dann in Brennelementfabriken zum endgültigen Einsatz verarbeitet. Anreicherungsanlagen in großem Maßstab betreiben die Konzerne Urenco (Deutschland, Niederlande, Großbritannien), Areva (Frankreich), US Enrichment Corp. (USA), Atomenergoprom (Russland), JNFL (Japan) und CNNC (China) [1].

Die Versorgung der EU mit einem jährlichen Bedarf von 21.000 t Uran (im Jahre 2007) wird nur noch in zu vernachlässigbar kleinen Mengen von weniger als 1 % aus eigener Produktion und Beständen gedeckt. Das benötigte Uran wird vor allem aus Kanada, Russland, Kasachstan, Usbekistan, Niger, Australien, Südafrika und Namibia in die EU importiert [1].

Der Uranpreis liegt bei 10 bis 30 US-$ pro Pfund U3O8 für Langzeitabnahmeverträge, die 97 % des Uranhandels ausmachen [1]. Der stark ansteigende Energiebedarf der bevölkerungsreichen Schwellenländern sowie die Entwicklung der globalen Klimapolitik hat die Nachfrage nach Uran anwachsen lassen, wodurch auch die Preise voraussichtlich weiter steigen werden (Stand vor Super-GAU in Fukushima). Eine Erschließung neuer Förderkapazitäten lohnt sich daher, jedoch hängt die Uranproduktion aus dem Bergbau dem Bedarfsanstieg hinterher, so dass v.a. Lagerbestände aufgebraucht werden müssen. Zum Teil wird befürchtet, dass diese zu spät durchgeführten Investitionen den Uranpreis weiter verteuern könnten und den Ausbau der Kernenergie verzögern.

 


Quellen:

[1] Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) 2009: Energierohstoffe (Link)

[2] Ökoinstitut 2009: Streitpunkt Kernenergie, (Link)

[3] NEA/OECD – IAEA (Nuclear Energy Agency – International Atomic Energy Agency) 2008: "Uranium 2007: Resources, Production and Demand"

[4] European Supply Agency (ESA) 2008: Annual Report 2007

[5] World Nuclear Association (WNA) 2008: www.world-nuclear.org

[6] International Atomic Energy Agency (IAEA) 2008: International Status and Prospects of Nuclear Power

[7] Nucleonics Week, Jahrgänge 2008 und 2009

[8] Energiewirtschaftliches Institut der Universität zu Köln (EWI) 2005: "Energy Environment Forecast Analysis (EEFA) 2005: Ökonomische Auswirkungen alternativer Laufzeiten von Kernkraftwerken in Deutschland. Gutachten für den Bundesverband der deutschen Industrie e. V. (BDI)"

[9] http://www.rwe.com/web/cms/de/17200/rwe-power-ag/standorte/kkw-muelheim-kaerlich/ (14.05.2011)

[10] http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Kernreaktoren-in-Portionshaeppchen-zerlegt/41589/1 (14.05.2011)

[11] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/versicherung-der-kernkraft-mal-die-betreiber-zahlen-lassen-1.1074008 (05.05.2011)

[12] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) 2007: Abschlussbericht zum Vorhaben „Fachgespräch zur Bestandsaufnahme und methodischen Bewertung vorliegender Ansätze zur Quantifizierung der Förderung erneuerbarer Energien im Vergleich zur Förderung der Atomenergie in Deutschland“

[13] International Atomic Energy Agency (IAEA), Power Reactor Information System (PRIS) 2009: www.iaea.or.at/programmes/a2

[14] http://www.welt.de/wirtschaft/article13363213/Japan-stoppt-den-Ausbau-der-Atomenergie.html (12.05.2011)

[15] http://www.n24.de/news/newsitem_6736050.html (13.05.2011)

[16] http://www.thestar.com/comment/columnists/article/665644 (14.05.2011)

[17] http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,655950,00.html (10.05.2011)

[18] International Panel on Fissile Materials (IPFM) 2009: www.fissilematerials.org

[19] AG Energiebilanzen: Jahresbericht 2008 (Link)

[20] Greenpeace 2010: Staatliche Förderungen der Atomenenergie (Link)

[21] http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Bundesarchiv_Bild_183-1990-1109-004,_Th%C3%BCringen,_Abraumhalten,_Uranbergbau.jpg&filetimestamp=20081204102616 (14.05.2011)

[22] http://www.radon-info.de/shtml/schneeberg.shtml (15.05.2011)

[23] http://www.bfs.de/de/bfs/forschung/Wismut/wismut.html (09.05.2011)

[24] Gerstner, E. 2009: "Nuclear energy: The hybrid returns", Nature. 460, S. 25 (doi:10.1038/460025a)

[25] http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/und-staendig-waechst-der-abfallberg/ (08.05.2011)

[26] Earthquake Report (Link)

[27] http://english.kyodonews.jp/news/2011/03/82231.html (05.05.2011)

[28] http://www.gallup.com.pk/JapanSurvey2011/PressReleaseJapan.pdf (12.05.2011)

[29] San Jose, Creative Commons Lizenz, 12.05.2011

 


Beitrag erstellt von Christoph Schünemann (Mai 2011)

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 16. April 2012 um 20:39 Uhr  

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